Zum Hintergrund

Jeder Lüneburger kennt es - das Gebäude für die "Herberge zur Heimat"- heute heißt sie "Herberge plus". Sie liegt am Fuße des Kalkbergs, der eigentlich ein Gipsberg ist und heute als Naturschutzgebiet innenstadtnah Spazier-, Informations- und Erholungsmöglichkeiten bietet. Immer noch ermöglicht eine kleine Aussichtsplattform wunderbare Ausblicke über Lüneburg - obwohl der Berg ursprünglich 10 mal höher war bevor der Gips hier in vorigen Jahrhunderten im großen Stil abgebaut wurde. In der Zeit zwischen 1837- 79 wurde am Fuße des Kalkbergs in der Straße "Beim Benedikt/Sülzwall" eine Kettenstrafanstalt erbaut, deren Insassen im Gipsbruch arbeiten mussten. "Den Gebäudekomplex begrenzt eine hohe Einfriedung aus über einem Findlingssockel aufgeführten Backsteinmauern mit Pfeilervorlagen und einem Bogenportal gegenüber dem Zellenflügel…"
(Böker , D. Denkmaltopographie Hansestadt Lüneburg, 2010)

1921 endete der Gipsabbau, die Gebäude wurden zur Jugendherberge umgebaut. "Im Zuge dessen wurde die Zuchthausmauer 1931 niedergelegt und eine niedrige Einfriedungsmauer (ohne Pfeiler), möglicherweise aus geborgenen Steinen, aufgerichtet. Der Feldsteinsockel gehört wohl noch zur ursprünglichen Gestalt der Mauer."
(Prof. (apl.) Dr. Werner H. Preuß, Mitglied im Arbeitskreis Lüneburger Altstadt, 2015) : ((Foto: 1915_Beim Benedikt 1_Krüger, Franz_ Lüneburg_1928) Vgl. Lüneburgsche Anzeigen, 15.01.1931: "Von der Strafanstalt zur Jugendherberge"; LA 04.07.1931, Ulrich Werther: "Vom Zuchthaus zur Jugendherberge" mit Zeichnung; LA 29.12.1932: "Die Entwicklung der Lüneburger Jugendherberge")."

In dieser Form ist sie bis heute erhalten. "Bis 1939 wurden die Gebäude als Jugendherberge genutzt, später als Flüchtlingsquartier; seit 1968 betreibt der Herbergsverein Lüneburg e.V. (jetzt Lebensraum Diakonie e. V.) im ehemaligen Zellenflügel ein Obdachlosenheim. Trotz mehrerer nutzungsbedingter Umbaumaßnahmen stellen die Gebäude nahe dem Kalkberg noch heute ein anschauliches Beispiel eines Gefängnisbaus des 19. Jh. und ein wichtiges sozial-, bau- und stadtgeschichtliches Zeugnis dar." (Böker, D. Denkmaltopographie Hansestadt Lüneburg, 2010)
So handelt es sich bei der Herberge plus nicht nur um eine Obdachlosenunterkunft, sondern um Areale, die das Lüneburger Stadtbild zwischen Kalkberg und Altstadt prägen. Daher wurden die Gebäude einschließlich der Umfriedungsmauer unter Denkmalschutz gestellt - die Mauer ist über die Jahre durch fehlende Mauerabdeckungen, Wasser und Frost schadhaft geworden.